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Ronnie Lane 1946-1997

Frankfurter Rundschau, 6 June 1997

Ronnie Lane ist Gestorben

Alle Türen offen, alle Fenster weit auf. Begrüßt wurde das Wochenende täglich - und der Samstag sollte ein Feiertag der Mußiggänger sein. Weltfaulenzertag, 52mal jährlich. Darüber aber wurden die sechs Tage der Woche selbst, recht eigentlich, zu einer gar seligen Wallfahrt auf dieser langen Strecke, hin zum Ziel: Lazy Sunday. Das war Balsam, nur so wurde das Lied verstanden. An bösen Werktagen den verfrühten Feierabend beschwören, den Vorruhestand einer trödelnden Generation: Mit ihrem Hit, so jedenfalls gab man sich ihm restlos hin, begrüßten die Small Faces etwas ganz Seltenes, den gesellschaftlichen Status quo des ewigen Schlummers.

Ruppige Schaukelstuhlmusik, die auch Ronnie Lane, der Bassist der Gruppe, Ende der sechziger Jahre hartnäckig vorantrieb. Zusammen mit Rod Stewart feierte er dann noch Erfolge, in den frühen siebziger Jahren war das, mit großen Vorhaben im Musik-Zirkus aber machte er allein gewaltige Verluste. Und da war die tückische Krankheit; Seit Ende der siebziger Jahre litt er an Multipler Sklerose, die letzten Lebensjahre verbrachte er im Rollstuhl. Jetzt ist Ronnie Lane gestorben, 51 Jahre alt, in Colorado (USA).

Weich war sein Rock gewesen, folkloristisch getönt. Mit Gruppen, abgesehen von einigen, diesen frühen Hits mit den Small Faces, hatte er kaumn große Erfolge. Nicht der große Auftritt auf den gigantischen Buhnen gelang ihm; doch im Studio sah man den Gitarristen - und so hörte man ihn auf Platten von Ron Wood, Roy Harper, Pete Townshend. Ihr Gemeinschaftswerk, Rough Mix (1983), auch Eric Clapton machte mit, war Programm.

Eine rauhe Mischung. Dennoch: Säuglinge konnte man mit sanften Liedern in den Schlaf wiegen. Nachbarn aber in die Flucht schlagen durch Songs. Beat-Gewitter, den Lärm von Kaschemmen. Garstige Gegensätze. Wiegenliedartige Weisse oder Schnulze, knallharter Rock oder eine mild-irische Tönung: eine ganze Palette wurde prachtvoll bedient, schroff vorangetrieben durch Baß und Gitarre, zart umspielt durch Mandoline und Banjo. Und so ließ man denn die Gedanken schweifen, die Seele baumeln. Oder die Wände erzittern wie am jüngsten Tag: Lazy Sunday.

Zurn alten Hit, zu diesem Evergreen, paßte manche Note auf den schönen Album Rough Mix. Auch Clapton, noch trödeliger als langsam, sorgte für eine melancholische Tönung. Eine Hauptrolle auf dieser Platte hatte aber das vermaledeite Mißverständnis inne - und schon damals ahnte man: Lässig, wie sich gerade der Tod die Menschen nimmt. So war Rough Mix vor allem eine stille Platte, immer schon - auf der einige Male gar das Akkordeon auftrat, um sich Trauer aus den Balg quetschen zu lassen.

Ein Mensch war gegangen, ein Mensch war nicht mehr. Der Abschied von ihm fiel schwer. Ja, das stimmt.

ChTh

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